Das brave Kind, das immer hört

Ich glaube nicht, dass es Kinder gibt, die von Natur aus immer hören und welche, die dies nicht tun. Und was soll es überhaupt bedeuten, dass ein Kind brav ist? Und will ich überhaupt, dass meine Kinder brav sind und immer auf mich hören?

Ich stelle mir vor, wie ich von einer Familienfeier aufbreche, mir ein Mitglied der Sippschaft anerkennend auf die Schulter klopft und voller Stolz sagt : „Du warst heute aber brav!“ Genau genommen finde ich die Vorstellung wirklich grotesk. Wer darf mir denn so was sagen? Und vor Allem, wie hätte ich mich dann verhalten müssen? Ich hätte all den unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen verschiedener Menschen an das Verhalten ihrer Mitmenschen entsprechen müssen. Ähhhh, nee.

Also. Wie ist das nun mit unseren Kindern? Die sind ja in erster Linie so, wie sie einfach sind. Mit ihrem Charakter, der bereits von vorneherein so mitgeliefert wurde. Sie wissen ja gar nicht, was wir andere Menschen von ihnen erwarten und wie man sich so verhält, dass man in unserer mehr als durchgeknallten Gesellschaft nicht ganz durchs Raster fällt. Also brauchen sie verantwortungsvolle Erwachsene, die sie lieben und denen sie vertrauen und die ihnen zeigen, wie das Leben so läuft. Dazu gehört dann auch, dass sie Erwachsenen wissen, was sie wollen und was nicht. Was erlaubt ist und was nicht. Was gegen Regeln verstößt und was nicht. So ganz persönlich. Und sie müssen vor allem ihre Werte kennen.

Wenn also ein Kind Dinge tut, die wir nicht wollen oder Dinge, die gegen Regeln verstoßen oder Dinge, die nicht kompatibel sind mit unseren Wertvorstellungen, dann müssen wir dem Kind sagen, was wir denken oder was uns aufreibt oder was für uns einfach gar nicht geht. Wenn wir dies auf respektvolle Weise tun, dann lernen die Kinder einzuschätzen, was OK ist und was nicht. Was nicht immer heißt, dass sie in Begeisterung ausbrechen und mit dem einverstanden sind, was wir von ihnen wollen und was nicht. Aber wir sollten es auf jeden Fall klar äußern. Und dann Gefühle begleiten, verständnisvoll und wohlwollend.

Wenn mein Kind will, dass ich mit ihm spiele, während ich gerade im Begriff bin das Mittagessen zuzubereiten, dann muss ich wissen, was ich will und dies klar kommunizieren. Frust muss man dann auch einfach mal aushalten können. Will ich jetzt auf keinen Fall, sage ich Nein. Vielleicht kann ich aber auch einen Kompromiss finden, was natürlich immer sehr stark situationsabhängig ist.

Um nochmal auf die Eingangsfrage zurück zu kommen. Will ich brave Kinder? NEIN, auf keinen Fall.
Brave Menschen sind für mich die Langweiler. Die, die nicht nur niemals die Grenzen der Anderen überschreiten sondern auch ihre eigenen nicht und so selten über sich hinaus wachsen. Brave Menschen funktionieren und drehen brav ihre Runden im Hamsterrad des Lebens.
Ich will keine braven Kinder. Auf gar keinen Fall.

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