Hamsterrad

Wie ferngesteuert laufen wir, starr geradeaus blickend, in unserem Hamsterrad. Der Berg an Aufgaben und Verpflichtungen, zu hoch. Die Menschen, die uns umgeben, zu laut. Der Zog aus gesellschaftlichen und familiären Anforderungen, zu schnell. Die Erwartungen, die an uns gestellt werden, erdrückend. Und was tun wir? Geprägt durch unsere Erziehung, die uns zu funktionstüchtigen Maschinen gemacht hat, sind wir bereit uns allen Anforderungen und Erwartungen, die da draußen auf uns zu warten scheinen, zu stellen. Ihnen gerecht zu werden. Wir funktionieren. Wir tun Dinge, weil sie getan werden müssen und weil wir diese schon immer so gemacht haben.

An einem kühlen Herbstmorgen spaziere ich mal wieder entlang des Flusses. Endlich habe ich mir Zeit genommen. Endlich bin ich wieder bei mir. Endlich habe ich es geschafft aus dem Hamsterrad auszusteigen und einen Moment inne zu halten. Was will ich? Was tut mir gut? Was ist zu viel und wovon brauche ich mehr? Kann ich die Hausarbeit auch mal liegen lassen und mir die Zeit nehmen etwas für mich zu tun? Kann ich mein nörgelndes Kind warten lassen, weil ich einen interessanten Artikel zu Ende lesen möchte? Kann ich das rote Blinken am Telefon ignorieren und später zurück rufen, weil ich gerade einfach keine Lust darauf habe? Kann ich NEIN sagen, zu all den Dingen, die in meinem Umfeld von mir erwartet werden, zu denen ich jedoch nicht bereit bin, weil diese nicht gut tun, zu viel sind. JA. Ich kann. So komme ich mir endlich wieder ein Stück näher. Tief atme ich die kühle Morgenluft ein. Ich schließe die Augen. Atme wieder aus. Alles erscheint mir auf einmal so klar. Ich komme wieder zu mir, zur Besinnung. Tschüss Hamsterrad, hallo Leben!

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