Kleinstadtgetümmel

 

Und plötzlich sehe ich mich inmitten einer Gruppe von Leuten. Jeder kennt Jemanden und doch sind wir irgendwie alle Fremde. Das Geschehen entwickelt seine eigene Dynamik, umgeben von positiver Lebensenergie, auf eine gelassene Weise eifrig.

Auf dem Weg zu einem Treffen mit der neuen Fotografin meines Vertrauens denke ich bereits an die Liste, die eigentlich nur in meinem Kopf existiert und die auch eigentlich gar keine richtige Liste ist. Die Liste der Dinge, die man irgendwie cool findet und die man in seinem Leben noch nicht getan oder erlebt hat, jedoch die Bilder dazu schon tausendfach gedanklich abgespielt hat. Wohnen in der Fußgängerzone einer kleinen Stadt. Mitten im Getümmel. Umgeben von Menschen und doch allein – irgendwie. Fröhlich lachend trage ich die Markteinkäufe in einer bunt gestreiften Stofftasche nach Hause. Links und rechts grüßen oder winken wahlweise Menschen, die man vom „mal gesehen“ kennt. Aber das ist ein anderes Thema – das mit der Liste.

Umringt von wunderschönen Fachwerkhäusern, kleinen Fachgeschäften und anderen Einkaufsmöglichkeiten stehen wir da und quatschen. Aus 20 Metern Entfernung winkt eine vor Glück strahlende, junge Dame und eilt auf uns zu. Ihre kleine Babykugel ist nicht zu übersehen und sie erfüllt die Straßen mit der schönen Ausstrahlung einer werdenden Mutter. Kurze Zeit später: der nächste Zugang. Eine weitere Bekannte, der Bekannten meiner Bekannten stößt dazu. So stehen wir in unserem Grüppchen, lachend, plaudernd und ich nehme die positive Energie in mich auf. Eine fünfte Person bleibt kurz stehen, ein paar Sätze werden ausgetauscht und sie verlässt die Gruppe wieder. Ich könnte noch länger stehen bleiben, fühle mich als hätte ich Wurzeln geschlagen.

Kurz zuvor, ein Mittagessen mit einem mir fast fremden Menschen. So vertraut, so ich. Sonnenstrahlen kitzeln meine Haut. Was für ein schöner, freier Nachmittag.

Auf dem Weg zurück zu meinem Parkplatz kriege ich das Dauergrinsen kaum aus dem Gesicht. Ich bin inspiriert, will schnell nach Hause, habe Angst, dass ganze Sätze, die sich in meinem Kopf bilden, wieder verschwinden bevor ich sie festhalten kann. Endlich kann ich mal wieder die Musik im Auto so richtig laut aufdrehen. Während mir der Fahrtwind um die Nase weht, genieße ich die vertrauten Klänge und da ist es endlich wieder. Dieses Kribbeln. Das Leben ist schön.