Übermut tut selten gut

Stellen wir uns einmal vor, es würde einen Menschen geben, der es geschafft hat in seinem Leben die totale Ausgeglichenheit zu erlangen, sich selbst und andere zu lieben und zu akzeptieren und mit dem zufrieden zu sein, was er hat.

Würden wir dann automatisch davon ausgehen, dass andere Menschen diesen um Rat fragen oder seine Unterstützung erbitten, damit er sie auf dem Weg in ein ebenso erfülltes Leben begleitet?

Oder betrachten wir die Sachlage einmal aus der Sicht des erfüllten Menschen. Er weiß um das Erlangen der Erkenntnisse und Fähigkeiten, die ihn zu dieser Erfüllung und Ausgeglichenheit gebracht haben. Mit diesem Wissen fühlt er sich stark und teilt dieses gerne bei jeder Gelegenheit mit seinen Mitmenschen, um ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Gut gemeinte Ratschläge und Denkanstöße, die dazu gedacht sind anderen Menschen einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, einen Ansatz zu liefern, wie ein Problem gelöst werden könnte, um in schwierigen Lebenssituationen zu helfen.

Für diejenigen unter uns, die etwas in ihrem Leben verändern möchten, weil sie unzufrieden, unglücklich oder ausgebrannt sind, ist eine solche Hilfestellung vielleicht ein Segen. Doch jeder Mensch entscheidet selbst, ob oder wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um solche Änderungen anzustoßen. Gute Ratschläge können daher nur dann wirklich gut sein, wenn das Gegenüber diese auch hören möchte.

Guter Rat kann sehr wertvoll sein, wenn dieser gefragt ist. Anderenfalls sollten wir hin und wieder vielleicht einfach ein kleines bisschen weniger übermütig sein und unsere Meinung, Gedanken oder gut gemeinten Ratschläge für uns behalten, um nicht Gefahr zu laufen einen geliebten Menschen zu verletzen, zu verängstigen oder eine ungewollte Distanz zu ihm zu schaffen. Es könnte so schnell passieren, dass wir einem Menschen zu nahe treten, ohne dass dies unsere Absicht gewesen wäre.

Ich denke, dass es den Menschen, den wir uns hier vorstellen, nicht gibt. Was hätte ein Mensch, der in jeder noch so schwierigen Lebenssituation genau weiß, was zu tun ist denn noch zu lernen? Unsere Erfahrungen – die guten und die schlechten – lassen uns fürs Leben lernen. Ein Glück, dass wir nie auslernen, sonst wäre das Leben doch irgendwie eintönig.

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